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Du bist auf der Suche nach dem passenden Ort für ein Semester im Ausland oder ein Masterstudium und hast Lust auf vielfältige Kultur und eine ereignisreiche Zeit? CAZ-Autorin Lea Heilig hat ein Auslandssemester in Jerusalem an der Hebrew University verbracht. Hier berichtet sie, was sie erlebt hat.

Im Hebräischen gibt es das äußerst populäre Wort balagan. Es bedeutet so viel wie Chaos, ist meist positiv konnotiert und ziemlich bezeichnend für das Leben in Israel. Als balagan könnte man zum Beispiel den Verkehr, die Politik oder auch die Studienorganisation in Israel beschreiben.

Das balagan, das mich und die anderen Austauschstudierenden an der Hebrew University in Jerusalem nach unserer Ankunft letzten Sommer erwartete, endete zwar das gesamte Semester nicht wirklich, machte aber auch das Besondere dieser Auslandserfahrung aus. Denn sowohl von Seiten der Universität als auch außerhalb wurden wir mit großer Hilfsbereitschaft durch die Herausforderungen der Studienorganisation und des alltäglichen Lebens in Israel begleitet.

Die Universität organisiert etwa ein das gesamte Semester andauerndes persönliches Advising, mit regelmäßigen Gesprächen zu Kurswahl, der Zufriedenheit mit den belegten Kursen und dem Leben vor Ort über das Studium hinaus. Und auch wenn die Organisation manchmal etwas chaotisch ist, wird man bei Problemen stets auf erfrischend unbürokratische Art unterstützt. Man sollte sich auf jeden Fall nicht stressen, wenn die Dinge nicht sofort glasklar geregelt erscheinen, das meiste ergibt sich mit der Zeit von allein und manchmal muss man auch einfach etwas Hartnäckigkeit beweisen.

TU-Partneruni mit breitem Angebot

Die Hebrew University of Jerusalem, bereits 1918 gegründet wurde und Partneruniversität der TU Dresden, ist dabei nicht nur in Israel, sondern auch international unter den Top-Universitäten, was sich in der Qualität und der Breite der Lehre widerspiegelt – mit vier Campus-Standorten bietet die Uni Vorlesungen und Seminare in verschiedensten Studienrichtungen an. Als Austauschstudentin bzw. Austauschstudent kann man sowohl an der Rothberg International School Kurse auf Englisch und mit einem Fokus auf Nahost und Judentum als auch an den verschiedenen Fakultäten belegen.

Besonders ist in jedem Fall die Sprachausbildung: Neben Arabischunterricht kann man in einem vierwöchigen Intensiv-Kurs, einem sogenannten Ulpan, erstaunlich schnell Grundzüge des modernen Hebräisch erlernen und diese während des Semesters vertiefen. Auch wenn die Sprache auf den ersten Blick sehr fremd wirkt und das Erlernen des Alphabets einige Zeit in Anspruch nimmt, macht Hebräisch unglaublich viel Spaß und ist dem Deutschen sogar in vielem sehr ähnlich. Besonders in Kontakt mit Menschen vor Ort ist es schön, einige Worte in der Landessprache wechseln zu können, auch wenn die meisten Israelis fließend Englisch sprechen.

Zwischen einzigartigem Flair und ständigem Konflikt

Neben dem Studium sollte man sich aber natürlich die Zeit nehmen, Israel ausgiebig zu erkunden. Schon allein Jerusalem bietet dabei so viele spannende, geschichtsträchtige Orte, dass man damit ohne Probleme die Freizeit eines gesamten Semesters füllen könnte. In der Altstadt mit seinen vier Vierteln – jüdischem, muslimischem, christlichem und armenischem – herrscht eine ganz besondere, einem jedem Viertel eigene Atmosphäre, und der Blick auf den Felsendom oder die Klagemauer ist wirklich einzigartig. In der „heiligen Stadt“ werden aber auch am deutlichsten die Spannungen zwischen den Religionen, deren Angehörigen und letztendlich den Parteien eines tief verwurzelten Konflikts spürbar. Dieser äußerst sich zum Beispiel auch in der außergewöhnlich starken Militärpräsenz, insbesondere bei Grenzübergangen zwischen israelischem und palästinensischem Gebiet oder in den Personenkontrollen beim Betreten des Universitätsgeländes.

Wenn man Jerusalem verlässt, kann man das Land innerhalb weniger Stunden mit dem Bus durchqueren – von Eilat am Roten Meer durch die Wüste Arava und am Toten Meer entlang in den Norden nach Galiläa. Auf jeden Fall sollte man einen Kibbutz, die für Israel typischen kommunistisch organisierten Dörfer, besuchen und am Shabbat, dem jüdischen Ruhetag, der von Freitag bis Samstagabend dauert, eine Synagoge besuchen oder an einem Shabbat-Dinner teilnehmen. Natürlich darf man auch nicht vergessen, in das Nachtleben von Tel Aviv, der Stadt, die niemals schläft, einzutauchen und Shakshuka, das israelische Nationalgericht, zu probieren.

Von Weinverkostung bis Wüstentour: Angebote für Studis

Vom Office for Student Life werden zudem wöchentlich spannende Veranstaltungen organisiert. Darunter eine Begrüßungswoche mit Stadttour und Shabbat-Picknick und Ausflüge in ganz Israel, wie eine Weinverkostung in der judäischen Wüste oder ein Besuch des Weihnachtsmarktes in Nazareth. Dabei kann man nicht nur Freundschaften zu Studierenden aus aller Welt knüpfen, sondern auch die einzigartige Natur und Geschichte Israels kennenlernen.

Ganz egal aber, wo man unterwegs ist, die kulturelle Vielfalt ist überall spürbar und wohl eines der prägendsten Charakteristika dieses kleinen Landes, das so viele Kulturen, Sprachen und Religionen vereint. Wer dafür offen ist, für den wird ein Auslandssemester in Israel eine Erfahrung, die den eigenen Denkhorizont wie wenige andere erweitern wird.

Text: Lea Heilig

Bildquellen

  • Blick auf die Altstadt von Jerusalem: Lea Heilig
  • In der Wüste Negev: Lea Heilig
  • Blick auf den Felsendom und den Ölberg: Lea Heilig
  • Die Klagemauer in Jerusalem: Lea Heilig
  • Ein typisches Essen: Falafel, Pita und Hummus: Lea Heilig
  • Das Tote Meer: Lea Heilig
  • CAZ-Autorin Lea Heilig: Lea Heilig
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