„Das ist doch ungerecht!“ – Wie weit dürfen Professoren gehen?

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Was tun, wenn man sich als Student von einem Professor nicht angemessen oder gar ungerecht behandelt fühlt? Wie weit dürfen Professoren gehen? Paul Senf, Leiter des Referats Lehre und Studium im Studierendenrat der TU Dresden, klärt über die Möglichkeiten auf, was du in so einem Fall tun kannst.

Lehrkräfte gehören an einer Hochschule dazu. Doch leider müssen Studenten manchmal einiges über sich ergehen lassen, oftmals ohne zu wissen, wie weit ein Professor gehen darf. Hier hilft der Studierendenrat der TU Dresden (StuRa) weiter. Er vertritt die Interessen der Studierenden und setzt sich aus den Fachschaftsräten der einzelnen Fakultäten zusammen. 

Mal in die Prüfungsordnung gucken

Paul Senf (Foto) studiert Mathe, ist im StuRa als Leiter des Referats Lehre und Studium aktiv und kümmert sich um die Beratung von Studierenden, um Anträge z.B. auf eine unbegrenzte Anzahl an Prüfungsversuchen und generell um alles rund um das Thema Studien- und Prüfungsordnung. Letztere regeln u.a., wie viel Prüfungszeit anzusetzen ist, ob eine Prüfung mündlich oder schriftlich stattfindet, wie viele Korrekturgänge es geben soll und und und. Es lohnt sich also, einen Blick in deine Prüfungsordnung zu werfen, um herauszufinden, ob eine Lehrkraft schon die formal festgelegten Grenzen übertritt. 

Ungerecht behandelt? Der StuRa hilft dir

Doch Paul betont, dass natürlich nicht alle Vorkommnisse schon geregelt sein können und empfiehlt daher allen betroffenen Studierenden, zu ihm in die Sprechstunde zu kommen. Anonym bekommen sie hier eine Beratung und Auskunft über die rechtliche Lage ihres Falles. „Bei mir war letztens eine Studentin, die meinte, in der mündlichen Prüfung sei der Professor abgelenkt gewesen, habe auf sein Handy geschaut und nachgefragt, was sie denn eigentlich gesagt hat, weil er nicht so genau zugehört habe, solche Sachen. Das ist natürlich nirgendwo so direkt geregelt, und das wäre dann eher so ’ne softere Sache, da können die Studierenden auf jeden Fall erstmal zu uns kommen und sich beraten lassen.“ 

Erstmal das Gespräch suchen

Doch muss es so weit kommen? Gibt es kein Kontrollsystem für Professoren, das vorher greift? Paul erklärt, dass im Grundgesetz festgelegt ist, dass Forschung und Lehre frei sind und es daher in diesem Sinne auch kein Kontrollsystem für Professoren gebe. Daher versuche der StuRa bei Beschwerden zunächst mit den betroffenen Lehrkräften zu reden, dabei werde auch die Anonymität des Studierenden gewahrt.

Regeln ohne Prüfungsordnung? Nicht erlaubt!

Wenn das nichts hilft, wendet sich der StuRa an höhere Instanzen, an Dekane oder sogar an den Prorektor für Bildung. Paul berichtet von einem Fall aus der Informatikfakultät, bei dem ein Professor auf verpflichtende Gruppentermine bestand, die in keiner Ordnung festgelegt waren: „Das Problem ist, dass man zu diesen Terminen verpflichtend erscheinen muss, die aber in keiner Ordnung auftauchen und Anwesenheitspflicht gilt. Wenn du dort nicht hingehst, musst du ein Attest vom Arzt vorlegen. Und wie gesagt, wenn das von den Ordnungen nicht gedeckt ist, dann geht das so nicht!“

„Liebevoll in die Schranken weisen“

Paul betont noch einmal: „Kommt gerne bei uns vorbei, lasst euch beraten, habt keine Angst. Es ist nicht alles okay, was passiert, und nur weil das Professorinnen bzw. Professoren sind, heißt das nicht, dass sie mehr Ahnung oder Recht haben, und häufig müssen sie auch mal liebevoll in die Schranken gewiesen werden.“ 

Gleiche Chancen für alle

Je mehr Mitglieder der StuRa hat, desto mehr Fälle können bearbeitet werden, denn Paul würde gern mehr helfen: „Um ehrlich zu sein, haben wir tatsächlich ‘ne sehr, sehr dünne Personaldecke.“ Dafür braucht es neue Studierende, die ihrem Gerechtigkeitssinn nachgehen und sich engagieren. Auch Pauls Lebensphilosophie spiegelt sich in seinem Handeln wider: „Mir geht’s darum, die Welt besser zu machen. Ja, dass alle die gleichen Chancen haben, lässt sich auch ganz gut aufs Studium übertragen.“

Noch mehr Infos rund um Campus und Studium findest du auch in der aktuellen CAZ. Die gibt’s nicht nur kostenlos am Campus, sondern auch online als PDF. Schau doch mal rein.

Text: Charlotte Rüsch
Foto: PR

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