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Das Bildungssystem in Deutschland macht uns Gerechtigkeit vor – doch die soziale Realität sieht leider oft anders aus. Dem will Teach First Deutschland (TFD) entgegenwirken. Die Fellows Laura Korock und Susanne Keichel erzählen wie.

Bei einem Elternabend ihrer Tochter wurde die Kunstabsolventin Susanne Keichel zum ersten Mal auf TFD aufmerksam. Ein Fellow berichtete ihr von seiner Arbeit mit den Kindern und Susanne war von dem Gedanken begeistert. Laura Korock wiederum, die Internationales Management studiert hat, wurde über Social Media auf die Organisation aufmerksam und konnte sich sofort damit identifizieren.

Doch was macht TFD eigentlich genau? Susanne beschreibt die Organisation als Teil eines weltweiten Netzwerkes, dessen Hauptanliegen Bildungsgerechtigkeit und ein Schulabschluss für alle Schüler sind. Hierfür werden Hochschulabsolventen an Schulen in Brennpunktbezirken geschickt, um dort die Schüler zu unterstützen, konkretisiert Laura. Dabei ist es wichtig, dass die Lernenden ihr eigenes Potenzial zu erkennen und nutzen lernen.

Schülerredaktion für mehr Demokratie

Und wie sieht die Arbeit eines Fellows genau aus? Laura ist noch neu in ihrer Rolle und gespannt, was alles auf sie zukommt, nachdem sie zur Vorbereitung eine Online-Schulung mit didaktischen Inhalten besuchen musste. Neben der Unterstützung der Lehrkräfte im Unterricht gibt es auch Zeit mit den Schülern allein: „Da leiten wir Projekte und AGs, die wir selber konzipiert haben, und versuchen den Schülerinnen und Schülern ein paar neue Lebenswelten aufzuzeigen, damit sie die Inhalte aus dem Unterricht auch praktisch anwenden können.“ So werden die jungen Menschen schon mit der Berufswelt vertraut gemacht, beispielsweise mit einem Schülerkiosk: „Da muss geschaut werden, wie das funktioniert. Die Brötchen müssen geschmiert werden, die Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen werden, es gibt einen Geschäftsführer …“

Die Arbeit als Fellow sei individuell, weiß Susanne, und beeinflusst von den beruflichen Profilen der Fellows, die mit in den Unterrichtsalltag einfließen. Zunächst habe Susanne hospitiert und sich die Schule sowie ihre beiden Fokusklassen näher angeschaut. Bei ihren Überlegungen fielen ihr Verbesserungsmöglichkeiten in der Mitwirkung der Schüler auf und so suchte sie ein demokratisches Mittel, um diese zu fördern. „Das war dann mit das Erste, das ich gegründet habe – eine Schülerredaktion, weil ich dachte, das gehört zur Demokratie dazu.“

Deutsch, Mathe und immer ein offenes Ohr

Nach der Gründung der Redaktion fand diese schnell Zuwachs und sie konnten beginnen, sich mit der journalistischen Materie zu beschäftigen. Sie besuchten die „Sächsische Zeitung“ und das Redaktionswochenende eines Dresdner Gymnasiums, und auch eine Journalistin des MDR hat Susannes Schulredaktion eingeladen. Darauf aufbauend entwickelten die Schüler nun ein thematisches Konzept für ihre eigene Zeitung. Beim Thema „Freedom“ beschäftigte die Schützlinge vor allem der Gegensatz „gefangen – frei sein“ und sie holten sich weitere Eindrücke bei einer Exkursion in ein Gefängnis. Ansonsten unterstützt Susanne die Lehrkräfte in den Fächern Deutsch und Mathe und ist darüber hinaus auch seelische Ansprechpartnerin für die jungen Menschen. „Ich habe schon das Gefühl, dass ich zu allen einen guten Kontakt habe. Ich merke aber, dass man auf die Zusammenarbeit angewiesen ist, um gut voranzukommen. Sie müssen mitarbeiten wollen, und das zu erreichen, ist mein Job. Ich hole sie dort ab, wo sie stehen.“

Sich gemeinsam weiterentwickeln

Und wie wächst Susanne persönlich bei ihrer Arbeit als Fellow? „Dadurch, dass die Arbeit so vielseitig ist, nehme ich ganz viel mit. Auch durch den Einblick ins Schulsystem lerne ich total viel, auch von den Kindern. Ich treffe unfassbar viele Menschen und merke, wie man durch Beziehung und Unterstützung auch Verbesserung und Veränderung für Kinder schaffen kann. Es braucht aber gleichzeitig viel individuelle Begleitung, und daran fehlt es meist an den Schulen, weil die Leute wenig Zeit haben.“

Für Laura hingegen ist diese spannende Zeit noch neu, doch bereits jetzt erkennt sie ihr Potenzial und das der Schüler, sich zusammen weiterzuentwickeln. Man merkt, dass ihr das Projekt sehr am Herzen liegt: „Ich weiß, dass ich nur studieren konnte, weil ich die richtigen Leute in meinem Umfeld hatte, die mir Wege und Möglichkeiten aufgezeigt haben.“ Dabei werden die Fellows ebenfalls von TFD mit Vorbereitung, Fortbildungen, Leadership-Stipendien und Mentoring-Programmen unterstützt. Denn Leadership will gelernt sein! Wem kann es Laura empfehlen, Fellow bei TFD zu werden? „Jedem, der gerne mit Schülerinnen und Schülern zusammenarbeitet und da proaktiv handelt, und allen, die Lust haben, Projekte an einer Schule zu leiten und die Schülerinnen und Schüler zu unterstützen!“

Dieses Jahr sollen deutschlandweit 160 Fellows an Schulen zum Einsatz kommen. Brennst auch du für Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit? Dann bewirb dich als Hochschulabsolvent.

Text: Charlotte Rüsch

Bildquellen

  • Teach First Deutschland hilft Kindern beim Lernen: PR
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